De Profundis gelesen von Herbert Fritsche
Dein, Herr, ist das Reine.
Aber wo in weiter Welt
Waltet dieses Deine?
Die Gewalt und das Gemeine
Sind wie Mauern aufgestellt.
Statt empor zum Sternenzelt,
Starrt auf schwarze Steine
Rings mein Blick voll Bangen,
Der um deine Reinheit fleht,
Und erbarmungslos gefangen
Hinter Steinen, hinter Stangen,
Bleibt mir nur das Bittgebet:
Hirte, der mich suchen geht,
Lass mich Licht erlangen! –
Ach, schon ist’s gegeben,
Was so qualvoll ferne war:
„Überm Nebelweben
Sieh die Silbersichel schweben,
Leuchtend klar!
Zu des Abends Hochaltar
Darfst das Herz du heben!“
Sternengold der Weiten
Mit dem Mond darin …
Leise, leise gleiten
Überm Wogengang der Zeiten
Ferne Gotteswelten hin,
Segen senden sie und Sinn
Durch die Dunkelheiten.
„Hast du dein Vertrauen
Wieder hell entfacht?
Sei bereit, aus Gram und Grauen
Unbeirrt emporzuschauen,
Und voll Sterne hängt die Nacht!
Wisse: Licht um Licht erwacht,
Wenn es dunkler wird, im Blauen.
Solches zu erfahren,
Bindet dich an ernste Pflicht:
Bleib im Reinen! Bleib im Wahren!
Bei des Widersachers Scharen,
Die dich suchen, siedle nicht!
Mach dich auf und werde licht,
Hilf dem Licht, sich offenbaren!“
Herr, ich weiß, in Gnaden
Neigst du wieder dich zu mir,
Der ich mich auf wirren Pfaden,
Wahnumfangen, schuldbeladen,
Weit, ach weit entfernt von dir – –
Tief im Staube fleh ich hier,
Mich gesund zu baden.
Lass dein Geistesfeuer
In mir mächtig sein,
Bis ich elend Ungetreuer
Gleich dem Phönix als ein Neuer
Aufersteh im Flammenschein,
Wieder rein und wieder dein
Und, o Sterne, euer!