Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche

Herbert Fritsche

Leben und Werk (1911–1960)
erschienen in »Zeit der Lilie« 1947 · »Herbert Fritsche Sämtliche Gedichte - Teil I« 1967 · »Zeit der Lilie - Band IV der Gesamtausgabe« 2012

Marienlied gelesen von Herbert Fritsche

Wenn ich nichts mehr will und weiß,
Nur ein Kind noch bin,
Führt mich meines Weges Kreis
Zu Maria hin.
An der Brücke steht aus Stein
Heimathold ihr Bild,
Lädt mich zum Verweilen ein,
Ewig trostgewillt,
Ruft vom hohen Himmelsblau
Gottesgnaden her –
Ave, unsre liebe Frau,
Stern du überm Meer!

Aus den Weiten webt zur Nacht
Bald dein Mantel sich;
Tausend Funken, fromm entfacht,
Glimmen feierlich.
Größer als die Wirklichkeit
Bist du, Mutter, nun,
Wunder wirkst du weltenweit,
Um uns wohlzutun,
Kühlst mit deinem Gnadentau
Jegliche Beschwer –
Ave, unsre liebe Frau,
Stern du überm Meer!

Morgen stehst du dann wie je
Wieder auf dem Stein,
Strömst in Wirrnis, Wahn und Weh
Still dein Licht hinein,
Kennst die Schrecken selber ja,
Hast sie längst verklärt,
Weißt, dass jenseits Golgatha
Christ gen Himmel fährt,
Schirmst uns in granitnem Grau
Von der Brückenwehr –
Ave, unsre liebe Frau,
Stern du überm Meer!