Nach Sonnenuntergang
Flattre ich abends um acht durch die Gassen der Stadt mit den Fledermausflügeln,
Mit denen mich Satan, der Schirmherr der Künstler und Sünder, am Tag meines ersten Gedichtes versah,
Gelingt es mir niemals, die pochende Neugier im Herzen zu zügeln
Und ich lenke die knisternden Schwingen bis nah
An die Fenster, durch deren erblindete Scheiben ich unsichtbar spähe,
Dass meine Augen Geheimnisse saugen in tierhafter Gier.
Nur die Kinder im Zimmer verstört meine lauschende Nähe,
Sie weisen mit zitterndem Finger auf mich, den als Nebel ins Fenster geklebten Vampyr.
So sah ich in Stuben voll hüpfender Mondmusikanten,
Fand andermal Ratten auf modernden Möbeln bei nagendem Fraß,
Entdeckte auch bärtige Beter, aus deren gefalteten Händen die Seelen dem Himmel zu brannten
Und bemerkte manch Mädchen, das zitternd verbotene Bücher von Leichen und Lustmorden las.
Diese Flüge im Dämmer erschlossen mir bald die gewaltigen Zeremonien,
Von heimlicher Menschheit allabendlich Gott oder Satan geweiht –:
Die da am Tage ihr Tun einem Leben nach Spielregeln liehen,
Werden mit sinkender Sonne vom Bannfluch der Nüchternheit jählings befreit.
Dann huschen durch Keller und Flure geheime Staffetten,
Aus wispernden Dielen stiehlt stumm sich die Schar der Dämonen hervor,
Dann winselt und wühlt es verlockend in lesbischen Betten
Und über die Dächer strömt flackernd die Aura der Wollust empor.
Ich Fledermaus aber belausche vom Fenster her all die erregenden Szenen,
Mit denen der doppelgesichtige Schöpfer sein steinernes Angesicht schminkt,
Bis meine bebenden Arme den Flug in die Leere ersehnen
Und meine Schwinge im Winken der Winde versinkt.