Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche Porträtfoto von Herbert Fritsche

Herbert Fritsche

Leben und Werk (1911–1960)
erschienen in »Zeit der Lilie« 1947 · »Herbert Fritsche Sämtliche Gedichte - Teil I« 1967 · »Zeit der Lilie - Band IV der Gesamtausgabe« 2012

Abschied gelesen von Herbert Fritsche

Der Tag ist nicht
Den Träumen treu,
Doch alle Dinge werden neu
Und Spiegel für das große Urgesicht
Im Abschiedslicht.

Der Abschied weckt
Verborgnes Gold.
Die Abendstunde, mondenhold,
Entfacht den Glanz, der stumm und unentdeckt
Sich selbst versteckt.

Nun strahlt er auf
Und bleibt bestehn,
Wohin wir immer wandern gehn:
Durchgoldet mündet unser Lebenslauf
Zu Gott hinauf.

Was dir entschwebt
Im Abschiedsglanz,
Erst das gehört dir wahr und ganz.
Verspürst du, wie dein Herz, von Glück durchbebt,
Nun wirklich lebt?

Sei weise, du,
Und nimm den Sinn
Des Abschieds als Geheimnis hin:
Erst jetzt ist’s dein! Schließ still die Augen zu,
Gib Ruh, gib Ruh…

Der Tag ist nie
Des Traumes Raum,
Doch größer, tiefer als der Traum
Bleibt ewig wachen Abschieds Alchymie.
Nun übe sie.